Was am Ende steht
Ein kleiner Computer in deinem Netz beantwortet ab sofort alle Namensanfragen. Fragt ein Gerät nach einer Werbe- oder Tracking-Adresse, bekommt es keine Antwort und die Verbindung kommt nie zustande. Fragt es nach etwas Normalem, läuft alles wie vorher.
Du brauchst dafür weder Linux-Kenntnisse noch Programmieren. Du tippst ein paar Befehle ab, die hier alle zum Kopieren bereitstehen, und klickst danach in zwei Weboberflächen herum. Rechne mit einer Stunde, davon ist etwa die Hälfte Warten.
Dein Sicherheitsnetz. Falls irgendwann irgendetwas nicht mehr geht: In der FritzBox unter Heimnetz › Netzwerk › Netzwerkeinstellungen › IPv4-Adressen das Feld „Lokaler DNS-Server" wieder auf 0.0.0.0 setzen. Danach ist alles genau wie vorher. Diesen Satz merkst du dir am besten jetzt, dann kannst du entspannt herumprobieren.
Was das nicht kann
Damit du hinterher nicht enttäuscht bist, gleich vorweg die drei Grenzen. Ein DNS-Blocker sieht nur die Frage „welche IP-Adresse hat diese Domain". Er sieht nicht den Inhalt, und er kann nichts blocken, wonach nie gefragt wurde.
- Werbung, die vom selben Server kommt wie der Inhalt, bleibt. Youtube-Werbung im Video zum Beispiel geht damit nicht weg.
- Geräte, die die IP-Adresse fest eingebaut haben, fragen gar nicht erst. Die erreichst du nur über die Firewall im Router.
- Geräte, die ihren eigenen verschlüsselten DNS-Dienst mitbringen, gehen an dir vorbei. Was du dagegen tun kannst, steht weiter unten bei Fernseher zähmen.
Was bleibt, ist trotzdem viel: Werbung und Tracker in Apps und auf Webseiten, Telemetrie von Smart-Home-Geräten, und ein Protokoll darüber, mit wem deine Geräte eigentlich reden. Allein das Protokoll ist den Aufwand wert.
Einkaufszettel
Falls du schon einen Raspberry Pi hast, überspring das hier. Für AdGuard Home reicht auch ein Pi 3, ein Pi 4 oder ein Pi Zero 2 W völlig aus, die Software braucht ungefähr 100 MB Arbeitsspeicher. Ein Pi 5 ist dafür eigentlich zu groß, macht aber nichts falsch und hat Reserven für spätere Projekte.
| Was | Warum | Ungefähr |
|---|---|---|
| Raspberry Pi 5, 2 GB oder 4 GB | Mehr Arbeitsspeicher bringt hier nichts. 2 GB reichen mit großem Abstand. | 50 bis 70 € |
| Original-Netzteil 27 W USB-C | Der Pi 5 zickt an schwachen Handy-Netzteilen und drosselt sich dann selbst. Das ist die häufigste Fehlerquelle überhaupt. | 12 € |
| microSD-Karte, 32 GB, Klasse A2 | Zum Beispiel SanDisk Extreme oder Samsung Pro Endurance. Billige Karten sterben an den ständigen kleinen Schreibvorgängen. | 10 bis 15 € |
| Gehäuse mit aktivem Lüfter | Das offizielle Gehäuse hat einen eingebauten Lüfter. Der Pi 5 wird auch im Leerlauf spürbar warm. | 12 € |
| Netzwerkkabel | Nimm Kabel, kein WLAN. Ein DNS-Server, der über WLAN hängt, ist die zweithäufigste Fehlerquelle. | 5 € |
| SD-Kartenleser | Nur falls dein Laptop keinen Schacht hat. | 8 € |
Schritt 1Die Speicherkarte vorbereiten
Das machst du an deinem normalen Computer, nicht am Pi. Der Pi hat keine Festplatte, sein ganzes Betriebssystem liegt auf der SD-Karte. Die schreibst du jetzt.
Lade den Raspberry Pi Imager herunter und installiere ihn. Das ist das offizielle Programm von Raspberry Pi selbst, es gibt Versionen für macOS, Windows und Linux.
SD-Karte in den Kartenleser stecken. Im Imager dann die drei Felder von oben nach unten ausfüllen:
- Gerät: Raspberry Pi 5
- Betriebssystem: erst Raspberry Pi OS (other) anklicken, dann in der Liste Raspberry Pi OS Lite (64-bit). Lite heißt: ohne grafische Oberfläche. Genau das willst du, der Pi steht später ohne Bildschirm im Schrank.
- Speicherkarte: deine SD-Karte. Pass hier auf, dass du nicht versehentlich eine externe Festplatte erwischst, der Imager löscht das Ziel komplett.
Auf „Weiter" klicken. Jetzt kommt der wichtigste Teil, die Voreinstellungen. Der Imager fragt, ob du Einstellungen anpassen willst. Sag ja und trag ein:
- Hostname:
adguard - Benutzername und Passwort: nimm
pials Namen und denk dir ein Passwort aus. Schreib es auf. Ohne dieses Passwort kommst du später nicht auf das Gerät und musst von vorn anfangen. - WLAN: leer lassen, du gehst ja über Kabel.
- Ländereinstellungen: Zeitzone
Europe/Berlin, Tastaturlayoutde. - Fernzugriff: Haken bei SSH aktivieren, Variante „Passwort zur Anmeldung verwenden".
Ohne den SSH-Haken kommst du nachher nicht auf den Pi, weil er weder Bildschirm noch Tastatur hat. Kontrollier ihn lieber zweimal.
Schreiben starten und die Warnung bestätigen. Das dauert je nach Karte drei bis zehn Minuten. Am Ende prüft der Imager das Ergebnis noch einmal. Wenn er fertig meldet, Karte auswerfen und rausziehen.
Schritt 2Pi anschließen und einschalten
Die Reihenfolge ist wichtig: Strom kommt zuletzt, sonst startet der Pi, bevor alles steckt.
SD-Karte in den Schlitz an der Unterseite des Pi schieben, bis sie einrastet.
Netzwerkkabel vom Pi in einen freien LAN-Anschluss der FritzBox. Welcher der vier Anschlüsse, ist egal.
Netzteil einstecken. Eine rote Leuchtdiode geht an, kurz darauf blinkt eine grüne. Das grüne Flackern ist die SD-Karte beim Arbeiten, ein gutes Zeichen. Jetzt zwei bis drei Minuten warten: Der Pi richtet sich beim allerersten Start selbst ein und startet dabei einmal neu.
Bleibt die grüne LED komplett dunkel, wurde die Karte nicht sauber geschrieben oder sitzt nicht richtig. Blinkt sie in einem auffälligen Muster und der Pi startet nicht, ist meist das Netzteil zu schwach.
Schritt 3Die Adresse des Pi finden und festnageln
Jedes Gerät im Netz hat eine Nummer, seine IP-Adresse. Bei einer FritzBox sehen die so aus: 192.168.178.irgendwas. Diese Nummer brauchst du gleich mehrfach, und sie darf sich nie ändern. Wenn der Pi morgen eine andere Nummer bekommt, steht dein ganzes Netz ohne Namensauflösung da.
Im Browser fritz.box aufrufen und anmelden. Dann auf Heimnetz › Netzwerk gehen. In der Geräteliste taucht ein Eintrag namens adguard auf. Daneben steht seine IP-Adresse.
Rechts in der Zeile auf den Stift zum Bearbeiten klicken. Dort setzt du den Haken bei „Diesem Netzwerkgerät immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen" und bestätigst mit OK. Ab jetzt behält der Pi seine Nummer für immer.
Trag die Nummer oben in das grüne Feld auf dieser Seite ein. Dann stimmen alle folgenden Befehle und Links auf dieser Seite sofort und du musst nichts mehr im Kopf ersetzen.
Schritt 4Auf dem Pi einloggen
Der Pi hat keinen Bildschirm. Du steuerst ihn stattdessen über ein Textfenster von deinem Laptop aus. Das nennt sich SSH und ist auf jedem Mac und jedem aktuellen Windows schon eingebaut, du musst nichts installieren.
Auf dem Mac das Programm Terminal öffnen (Spotlight mit Cmd+Leertaste, „Terminal" tippen). Auf Windows das Programm Terminal oder PowerShell aus dem Startmenü.
Diese Zeile hineinkopieren und Enter drücken:
ssh pi@192.168.178.42Beim allerersten Mal fragt er, ob du dem Gerät vertraust. Tipp yes und Enter. Dann will er das Passwort, das du im Imager vergeben hast.
Beim Tippen des Passworts passiert auf dem Bildschirm nichts. Keine Sternchen, kein Cursor, der wandert. Das ist so gewollt und kein Fehler. Einfach blind tippen und Enter drücken.
Wenn es geklappt hat, steht am Anfang der Zeile jetzt pi@adguard:~ $. Ab hier landet alles, was du tippst, auf dem Pi.
Schritt 5System aktualisieren und AdGuard Home installieren
Zuerst alle vorhandenen Programme auf den neuesten Stand bringen. Das Wort sudo davor heißt „mit Administratorrechten", deshalb fragt er noch einmal nach deinem Passwort.
sudo apt update && sudo apt full-upgrade -yEs rauscht viel Text durch. Das dauert beim ersten Mal zwei bis zehn Minuten. Warte, bis wieder pi@adguard:~ $ dasteht.
Jetzt AdGuard Home. Der Hersteller stellt dafür ein Installationsskript bereit, das alles allein erledigt: herunterladen, an die richtige Stelle legen, als Dienst einrichten, der beim Einschalten automatisch mitstartet.
curl -s -S -L https://raw.githubusercontent.com/AdguardTeam/AdGuardHome/master/scripts/install.sh | sh -s -- -vNach etwa einer Minute steht am Ende eine Zeile wie „AdGuard Home is now available at the following addresses" mit einer Webadresse darunter.
Das war der ganze Linux-Teil. Ab hier geht alles im Browser.
Schritt 6Der Einrichtungsassistent
Öffne im Browser: http://192.168.178.42:3000
Die 3000 hinter dem Doppelpunkt ist die Tür, durch die du hineinkommst. Es begrüßt dich eine Seite mit „Get Started".
Auf der nächsten Seite geht es um die Weboberfläche selbst. Bei „Listen interface" lässt du All interfaces stehen. Im Feld Port steht vermutlich 80. Ändere das auf 3000.
Warum: So bleibt die Adresse dieselbe, unter der du gerade schon bist, und du verwechselst später nichts. Steht dort schon 3000, lass es einfach so.
Darunter der DNS-Server selbst. Auch hier All interfaces und Port 53 unverändert lassen. 53 ist die weltweit festgelegte Nummer für Namensauflösung, die darfst du nicht ändern.
Jetzt legst du den Zugang zur Oberfläche an, Benutzername und Passwort. Das ist ein neues Passwort, nicht das vom Pi. Schreib auch dieses auf.
Die letzte Seite zeigt Anleitungen für einzelne Geräte, die brauchst du nicht. Klick auf „Open Dashboard" und melde dich mit dem gerade angelegten Zugang an.
Wenn du es lieber auf Deutsch hast: unten links oder unter Settings › General settings gibt es eine Sprachauswahl. Diese Anleitung nennt ab hier beide Bezeichnungen.
Schritt 7Die Anfragen nach draußen verschlüsseln
AdGuard Home fragt für alles, was es nicht blockt, bei einem großen DNS-Dienst im Internet nach. Ab Werk ist das unverschlüsselt, dein Internetanbieter kann also mitlesen, welche Namen dein Haus nachschlägt. Das änderst du jetzt in zwei Minuten.
Gehe auf Einstellungen › DNS-Einstellungen (Settings › DNS settings). Im obersten Kasten „Upstream-DNS-Server" löschst du den vorhandenen Inhalt und trägst diese zwei Zeilen ein:
https://dns.quad9.net/dns-query
https://cloudflare-dns.com/dns-queryQuad9 ist eine Schweizer Stiftung, speichert keine Anfragen und blockt zusätzlich bekannte Schadsoftware-Domains. Cloudflare steht als zweiter Weg daneben, falls Quad9 mal nicht antwortet. Beide sprechen DNS über HTTPS, das erkennst du am https:// davor.
Weiter unten im Feld „Bootstrap-DNS-Server" trägst du ein:
9.9.9.9
1.1.1.1Henne-Ei-Problem: Um dns.quad9.net verschlüsselt zu erreichen, muss AdGuard erst wissen, welche IP-Adresse dieser Name hat. Genau dafür sind die Bootstrap-Server da, die werden einmal ganz normal gefragt.
Auf Upstream-Server testen klicken. Beide Zeilen müssen grün mit „OK" bestätigt werden. Dann unten speichern.
Schritt 8Filterlisten auswählen
Eine Filterliste ist nichts weiter als eine sehr lange Textdatei mit Domainnamen, die geblockt werden sollen. Gepflegt wird sie von Freiwilligen, AdGuard lädt sie täglich neu.
Unter Filter › DNS-Sperrlisten (Filters › DNS blocklists) ist bereits eine Liste aktiv, der „AdGuard DNS filter". Die ist gut und bleibt an.
Klick auf Sperrliste hinzufügen, dann auf Eigene Liste hinzufügen. Name frei wählbar, als Adresse trägst du ein:
https://big.oisd.nl/OISD ist eine zusammengeführte Liste, die aus vielen Quellen gespeist wird und aktiv Einträge entfernt, die bekanntermaßen etwas kaputt machen. Für den Anfang die verträglichste Wahl.
Optional, wenn du später mehr willst, auf dieselbe Weise:
https://cdn.jsdelivr.net/gh/hagezi/dns-blocklists@latest/adblock/pro.txtHaGeZi Pro geht deutlich weiter als OISD und erwischt mehr Telemetrie. Es steigt aber auch die Chance, dass mal etwas nicht funktioniert. Nimm sie erst dazu, wenn du dich mit dem Abfrageprotokoll wohlfühlst.
Der häufigste Anfängerfehler ist, zehn Listen zu abonnieren. Die überschneiden sich zu großen Teilen, fressen Speicher und wenn etwas nicht mehr geht, findest du nie heraus welche Liste schuld war. Zwei bis drei Listen sind das Vernünftige.
Schritt 9Der eigentliche Schalter: die FritzBox umstellen
Bis hierhin läuft AdGuard Home, aber kein einziges Gerät fragt ihn. Das ändert eine einzige Eingabe. Ab jetzt schickt die FritzBox alle Geräte zum Pi.
Auf fritz.box anmelden und zu Heimnetz › Netzwerk › Netzwerkeinstellungen gehen. Ganz unten auf die Schaltfläche IPv4-Adressen klicken.
Findest du den Punkt nicht, ist die erweiterte Ansicht aus. Die schaltest du oben rechts im Menü der FritzBox ein.
Dort gibt es das Feld Lokaler DNS-Server. Trag die Adresse deines Pi ein:
192.168.178.42Mit OK bestätigen. Die FritzBox teilt diese Adresse ab sofort jedem Gerät mit, das sich neu verbindet.
Trag den Pi nicht zusätzlich unter Internet › Zugangsdaten › DNS-Server ein. Das ist ein anderes Feld mit einer anderen Bedeutung, und in ungünstigen Kombinationen dreht sich der Verkehr dann im Kreis. Das eine Feld hier reicht.
Geräte merken sich die alte Angabe bis zu einem Tag lang. Damit es sofort greift, am Handy einmal WLAN aus und wieder an, am Laptop das Netzwerk kurz trennen. Andere Geräte wie den Fernseher lässt du einfach mitziehen oder startest sie kurz neu.
Schritt 10Die IPv6-Falle
Hier scheitern die meisten Anleitungen, deshalb steht es als eigener Schritt hier. Jedes Gerät hat heute zwei Adressen: die alte IPv4 aus Schritt 9 und zusätzlich eine neue IPv6. Für IPv6 nennt sich die FritzBox weiterhin selbst als Namensserver. Viele Geräte bevorzugen IPv6 und laufen dann seelenruhig an deinem Filter vorbei. Im Abfrageprotokoll siehst du diese Geräte dann nie.
Weg A: IPv6 auch auf den Pi lenken
Im Terminal auf dem Pi die IPv6-Adresse anzeigen lassen, die im Heimnetz gilt:
ip -6 addr show | grep "inet6 fd"Da kommt etwas wie inet6 fd00::abc:1234:5678:9abc/64. Der Teil vor dem Schrägstrich ist die Adresse. Sie beginnt mit fd, das ist die Kennung für heimnetzinterne IPv6-Adressen.
Kommt hier gar nichts, hat die FritzBox noch keine solchen Adressen verteilt. Dann setz erst im nächsten Punkt den Haken bei den Unique Local Addresses, warte eine Minute und probier den Befehl noch einmal.
In der FritzBox unter Heimnetz › Netzwerk › Netzwerkeinstellungen jetzt auf IPv6-Adressen klicken und drei Dinge einstellen:
- „Router Advertisement im LAN aktiv" muss an sein
- bei Unique Local Addresses die Option „ULA-Präfix immer zuweisen"
- Haken bei „DNSv6-Server auch über Router Advertisement bekanntgeben (RFC 5006)" und im Feld Lokaler DNSv6-Server die eben notierte fd-Adresse eintragen
Weg B: IPv6 im Heimnetz abschalten
Schneller, aber gröber. In der FritzBox unter Internet › Zugangsdaten › IPv6 den Haken bei „IPv6-Unterstützung aktiv" entfernen. Danach gibt es das Problem nicht mehr, weil es kein IPv6 mehr gibt.
Mach das nicht bei einem Kabelanschluss oder einem DS-Lite-Tarif. Dort läuft die Verbindung ins Internet selbst über IPv6 und du kappst dir damit den kompletten Anschluss. Im Zweifel nimm Weg A. Ob du DS-Lite hast, siehst du in der FritzBox unter Internet › Online-Monitor.
Schritt 11Prüfen, ob es wirklich läuft
Nimm dein Handy, ruf ein paar Webseiten auf, und schau dann in AdGuard Home unter Abfrageprotokoll (Query log) nach. Dort müssen jetzt laufend Zeilen auftauchen, manche grün, manche rot. Rot heißt geblockt.
Bleibt die Liste leer, wird dein Gerät noch am Pi vorbeigeleitet. Dann ist entweder Schritt 9 nicht angekommen (Gerät neu verbinden) oder es geht über IPv6 raus (Schritt 10).
Für einen Wert zum Vorzeigen: d3ward.github.io/toolz/adblock im Browser aufrufen. Die Seite ruft mehrere hundert bekannte Werbe- und Tracking-Domains auf und zeigt an, wie viele davon nicht durchkamen. Mit AdGuard DNS filter und OISD zusammen landest du typischerweise irgendwo zwischen 70 und 90 Prozent.
Zum Schluss die Alltagstauglichkeit: Online-Banking, Streaming-App, Mail. Wenn hier alles läuft, bist du fertig. Falls eine Sache klemmt, steht die Lösung unten bei Wenn etwas hakt.
Den Fernseher zähmen
Das war ja der Anlass. Jetzt geht es darum, gezielt zu sehen und zu steuern, was ein einzelnes Gerät im Netz treibt.
Dem Fernseher einen Namen geben
Gib dem Fernseher zuerst in der FritzBox eine feste IP-Adresse, genau wie in Schritt 3 beim Pi. Dann legst du ihn in AdGuard Home unter Einstellungen › Clients (Settings › Client settings) als eigenen Eintrag an, mit dieser IP als Kennung und einem Namen wie „Wohnzimmer TV".
Das bringt zweierlei: Im Abfrageprotokoll kannst du jetzt nach diesem Gerät filtern und siehst genau, mit wem es redet. Und du kannst ihm eigene Regeln geben, die für deinen Laptop nicht gelten.
Erst schauen, dann blocken
Lass den Fernseher ein paar Stunden laufen und sieh dir dann im Abfrageprotokoll an, welche Domains er anfragt. Das ist aufschlussreicher als jede fertige Liste, weil jeder Hersteller und jedes Modelljahr eigene Adressen benutzt. Bei Samsung tauchen typischerweise Namen rund um samsungacr.com auf, das ist die Bilderkennung, die mitschneidet, was du guckst. Bei LG entsprechend Adressen rund um lgtvsdp.com und lgsmartad.com.
Was du wirklich blocken willst, trägst du unter Filter › Benutzerdefinierte Filterregeln ein, eine Regel pro Zeile:
||samsungacr.com^
||samsungotn.net^
||lgtvsdp.com^
||ad.lgsmartad.com^Die zwei senkrechten Striche heißen „diese Domain und alles darunter", das Dach am Ende schließt die Regel ab. Mehr Syntax brauchst du nicht.
Blocke in kleinen Schritten und teste danach. Manche dieser Adressen liefern nebenbei auch Softwareupdates oder die Programmzeitschrift. Wenn danach eine App streikt, nimm die zuletzt gesetzte Regel wieder raus. Deshalb einzeln und nicht alles auf einmal.
Wenn der Fernseher gar nicht erst auftaucht
Filter das Abfrageprotokoll nach deinem Fernseher. Ist dort trotz laufendem Gerät nichts zu sehen, benutzt er einen eigenen, fest eingebauten Namensserver und ignoriert, was die FritzBox ihm sagt. Das machen zunehmend viele Geräte, und über DNS allein bekommst du sie nicht.
Dagegen hilft nur die Firewall im Router, in drei Schichten: allen ausgehenden Verkehr auf Port 53 zwangsweise auf den Pi umbiegen, Port 853 komplett sperren, und die bekannten Adressen der verschlüsselten DNS-Anbieter auf Port 443 blocken. Eine FritzBox kann das nicht. Ein Router mit OpenWrt, OPNsense oder pfSense kann es.
Du hast einen OpenWrt One da liegen. Der ist genau das richtige Gerät dafür, aber es ist ein eigenes Projekt und keine Sache von zehn Minuten. Sinnvolle Reihenfolge: erst dieses Setup hier einen oder zwei Wochen laufen lassen, im Protokoll sehen welche Geräte tatsächlich schummeln, und dann entscheiden, ob sich der zweite Schritt lohnt.
Wenn etwas hakt
Im ganzen Haus geht kein Internet mehr
Zurück in die FritzBox, Heimnetz › Netzwerk › Netzwerkeinstellungen › IPv4-Adressen, das Feld „Lokaler DNS-Server" auf 0.0.0.0 setzen, OK. Damit ist die FritzBox wieder selbst zuständig und alles läuft wie vor der Aktion. Danach in Ruhe nachsehen, ob der Pi noch läuft.
Eine einzelne Webseite oder App geht nicht
Das ist der Normalfall bei Filterlisten und schnell behoben. Öffne das Abfrageprotokoll, such die rot markierte Anfrage, klick sie an und wähle Zulassen. Ab sofort ist diese Domain frei. Wenn du nicht weißt, welche es war: Zeit merken, wann du es probiert hast, und im Protokoll an dieser Stelle nachsehen.
Die Weboberfläche antwortet nicht mehr
Per SSH auf den Pi und den Dienst neu starten:
sudo systemctl restart AdGuardHomeOb er läuft, siehst du mit:
sudo systemctl status AdGuardHomeSteht dort in grün „active (running)", ist alles in Ordnung. Mit q kommst du wieder raus.
Der Pi ist gar nicht erreichbar
Stromkabel prüfen, dann die Leuchtdioden an der Netzwerkbuchse: Wenn dort nichts leuchtet, steckt das Kabel nicht richtig oder ist defekt. In der FritzBox unter Heimnetz › Netzwerk nachsehen, ob „adguard" noch als verbunden geführt wird. Hilft alles nichts: Strom für zehn Sekunden ziehen.
„Passwort vergessen" für AdGuard Home
Das Passwort steht verschlüsselt in der Datei /opt/AdGuardHome/AdGuardHome.yaml. Der bequemere Weg ist meistens, den Dienst zu stoppen, die Datei umzubenennen und den Assistenten noch einmal zu durchlaufen. Deine Filterlisten sind dann weg, aber das sind fünf Minuten Arbeit.
Der Pi meldet Unterspannung
Ein Blitzsymbol auf dem Bildschirm oder Meldungen über „undervoltage" in den Protokollen bedeuten fast immer: falsches Netzteil. Der Pi 5 will 27 W über USB-C. Ein Handy-Ladegerät reicht dafür nicht zuverlässig.
Was danach noch zu tun ist
Updates
AdGuard Home meldet neue Versionen selbst im Dashboard und aktualisiert sich auf Knopfdruck. Das System darunter versorgst du etwa einmal im Monat mit denselben zwei Befehlen wie in Schritt 5:
sudo apt update && sudo apt full-upgrade -yDie SD-Karte schonen
SD-Karten sterben an vielen kleinen Schreibvorgängen, und ein DNS-Server schreibt jede einzelne Anfrage mit. Stell deshalb unter Einstellungen › Allgemeine Einstellungen die Aufbewahrung des Abfrageprotokolls auf 7 Tage und die der Statistik auf 30 Tage. Zum Nachsehen, was gestern passiert ist, reicht das dicke.
Eine Sicherung anlegen
Deine gesamte Konfiguration steckt in einer einzigen Datei. Die holst du dir so auf den Laptop (der Befehl läuft auf deinem Laptop, nicht auf dem Pi):
scp pi@192.168.178.42:/opt/AdGuardHome/AdGuardHome.yaml ~/Desktop/Mit dieser Datei ist ein kaputter Pi in zwanzig Minuten wiederhergestellt.
Stromausfall
Nichts zu tun. Der Dienst wurde bei der Installation so eingerichtet, dass er beim Einschalten von selbst mitstartet.
Spickzettel
| Was | Wie |
|---|---|
| Auf den Pi einloggen | ssh pi@192.168.178.42 |
| Weboberfläche | http://192.168.178.42:3000 |
| Dienst neu starten | sudo systemctl restart AdGuardHome |
| Läuft der Dienst? | sudo systemctl status AdGuardHome |
| System aktualisieren | sudo apt update && sudo apt full-upgrade -y |
| Pi ordentlich herunterfahren | sudo shutdown -h now |
| Konfigurationsdatei | /opt/AdGuardHome/AdGuardHome.yaml |
| Alles rückgängig machen | FritzBox, Feld „Lokaler DNS-Server" auf 0.0.0.0 |
Weiterlesen: Handbuch von AdGuard Home und die FritzBox-Dokumentation von Pi-hole, die für die Router-Einstellungen genauso gilt.